05.11. – 08.11.19 Die Gefahren des Lebens

Seit Montag gebe ich einem Vertragspartner wieder mehr Einfluss auf meine zeitliche Tagesgestalltung, ich bin wieder angestellt.
Nun habe ich festgestellt, dass es dabei für mich ein unkalkulierbares Risiko gibt. Der Weg zur Arbeit.

Da meine Schnecke ja nicht gerade ein Kleinwagen ist, sie also etwas größerer Parkplätze braucht, nutze ich das Fahrrad um zum Institut zu fahren.

Ich habe noch nie etwas so gefährliches in meinem Leben gemacht, wie mit dem Fahrrad, während des Berufsverkehrs, durch Göttingen zu fahren.
Zu meinen Motorradrennzeiten fuhren alle in die selbe Richtung. Es gab Auslaufzonen falls man stürzte, Schikanen wurden vor dem Rennen angekündigt. Es gab sogar Streckenposten an der Strecke, die Hinweise mit Fahnen auf Gefahren oder auch zum Überholen gaben. Selbst ein Arzt fuhr im Pasecar hinterher und war schnell zur Stelle.

Und beim Paragleiten haben auch alle das gleiche Ziel, gemeinsam abgesprochenen Vereinbarungen so umzusetzen, dass möglichst viele Menschen überleben. Und dabei haben alle sehr viel Spass.

Aber beim Fahrradfahren in Göttingen ist das anders.

Dienstag wurde ich morgens, im Dunkeln, auf dem Radweg mit orangen Leitpfosten, in einer neuen Baustelle, direkt vor einen grauen Zaun dirigiert. Sollte wohl ein Bremstest sein.
Einige hundert Meter weiter querten suizidal veranlagte Fußgänger in dunkler Tarnkleidung spontan den Radweg.
Skurril war gestern auch der Fahrradfahrer, der iPadlesend, mit Kopfhören auf dem Ohren, quer aus der Einfahrt kommend auf den Weg schoss. Er war sich bestimmt unsicher, ob das erlaubt ist, daher ist er vorsichtshalber ohne Licht gefahren, damit er nicht entdeckt wird.

Ich finde dieses Leben großartig und möchte nicht so sterben! Daher warte ich ganz dringend auf mein erstes Gehalt. Dann sehen mich die Banken wieder als kreditwürdig an und leihen mir vielleicht Geld um ein Auto zu kaufen. Ein kleines, meinetwegen auch altes, aber mit Knautschzone.

Am Wochenende werde ich versuchen, mein Fahrrad bis zum Autokauf zu präparieren. Wenn ich eine Wasserpistole als Klingelersatz ( Klingel oder schreien hilft ja nicht gegen Kopfhörer ) einsetzte, kann ich mich vielleicht einigermaßen straffrei bemerkbar machen, hoffe ich.

Was mich doch echt nachdenklich gestimmt hat, war die Aussage einer Studentin im Erstsemester an der Uni. Ihr wurde empfohlen, sich ein Fahrrad zu besorgen, um die Vorlesungen rechtzeitig zu erreichen. Ist das ethisch ok, unser Überbevölkerungsproblem so zu lösen?

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, auch in Zukunft etwas hier über meine Abenteuer zu berichten.

Also, vielleicht hört Ihr noch etwas auf diesem Kanal von mir,

Euer Ralph

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