11.09. – 16.09.16 – Sicherheitstraining Annecy

Mittwoch sind Tessa und ich Richtung Frankreich aufgebrochen. Die erste Etappe endete, nach einem tollen Abendessen in Überlingen am Bodensee, auf einer Raststätte bei Zürich. Bei traumhaften Wetter genossen wir am nächsten Tag die Fahrt rund um den Genfer See. Dann kamen wir nach Annecy und waren sehr beeindruckt, dass die Kulisse aus unserer Sicht noch einen drauf gelegt hat – ein tolles Fleckchen Erde! Unser Campingplatz für die nächste Woche lag am Ende des Sees in Doussard. Freitag sind Tessa und ich ein bisschen Wandern gegangen und Samstag ging es dann per Fahrrad am See entlang nach Annecy, und schon wieder gab’s nichts zu meckern – Tour am See und das Städtchen selbst sind echt schön.

Samstag Abend war dann „Kennenlernen“ der Flugschulgruppe angesagt. Die Schule ist auf dem Campingplatz untergebracht, und der Trainingslandeplatz befindet sich direkt daneben. Hier darf aber nur gelandet werden, wenn ein Rettungsboot im Wasser ist, sonst muss auf dem Hauptlandeplatz in Doussard, ca. 1 km vom See entfernt, gelandet werden. Der Sonntag begann mit dem Briefing. Dann bekamen wir Flugschüler das Rettungsboot gezeigt und wurden in beide Landeplätze eingewiesen. Danach sind wir zum ersten Besichtigungsflug zum Startplatz aufgebrochen. Nach ca 25 Minuten Fahrt durch Serpentinen war ich überwältigt. Was für ein Panorama! Da wir etwas Rückenwind am Startplatz hatten (kein normaler Mensch startet bei Rückenwind, wurde mir in der Flugschule eingebläut), unterstützte uns Christa, eine Fluglehrerin, über Funk am Start.

 

Nach ca 35 Minuten konnten wir entspannt auf dem Hauptlandeplatz landen.

Montag wurden im Briefing die zu fliegenden Figuren des Sicherheitstrainings besprochen und dann gings raus über den See. Tja, ab da tauschte die Überwältigung mit aktiven Magengrummeln und einer nicht zu verachtenden Verspannung den Platz.

Hier sind mal ein paar „Problemsituationen“ im Video festgehalten, in diesem Fall der Frontklapper. Dabei hört der Schirm auf zu fliegen, was im „richtigen Leben“ zum Beispiel durch Turbulenzen passieren kann. Ich provoziere es auf Anweisung, und das Grummeln im Magen nimmt zu.

 

In nächsten Flug wollte ich eigentlich einen Seitenklapper provozieren und dann auch wieder lösen.

 

Tja, es bahnt sich an, Problem lösen geht irgendwie anders.

Und dann wurde ich im nächsten Flug auf echt harte Weise belehrt, dass sich Probleme durchaus noch steigern können. Die G-Belastung im folgenden Flug war so hoch, dass ich trotz Pressatmung kurzzeitig nur noch schwarz/weiss gesehen habe. Meine Wahrnehmung wurde auf drei Punkte reduziert:

1. Versuchen zu denken

2. Atmung kontrollieren

3. Schliessmuskel im Auge behalten

Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, als Passagier in einem Flugzeug ohne Pilot zu fliegen. Das war nicht schön!

Bei diesem Flug hatte ich meine emotionale Grenze überschritten. Als ich gelandet war, dachte ich, von nun an gehe ich maximal Angeln. Auch Stricken konnte ich mir gut vorstellen. Nur Fliegen, das stand nicht mehr auf meinem Plan. Michael, der Fluglehrer an der Kamera, überzeugte mich, wenigstens nochmal mit hochzufahren. Der nächste Flug würde besser (schlechter ging auch nicht). Auch Tessa unterstützte mich mental, so stieg ich in den Bus. Oben betreuten mich Christa und alle anderen sehr fürsorglich, also startete ich nochmal zu einem ‚Selbstvertrauensrückgewinnungsflug‘. Und es klappte, bzw. der Schirm klappte nicht ein. Es folgten noch zwei leichte Flüge. Bevor ich abends vollkommen erledigt ins Bett fiel, meinte Christa noch: „Morgen gibts Frühgymnastik, alles weiter beim Briefing.“ Ich dachte, Lockern vorm Start ist bestimmt eine gute Idee.

Kaum hatte ich mich vom Schreck des Aufwachens erholt, kam es auch schon, das Briefing.

Und hier sieht man sehr schön, wie durchgeknallte Paraglider Frühgymnastik machen. Die machen es nicht vor, sondern nach dem Start. (Aber nach dem ersten Mal macht es direkt Spass).

Freitag wollte ich eigentlich zum Abschluß noch die Rettung ziehen und im Wasser landen, aber da es morgens erst neblig war und dann der Wind mit knapp 30 km/h über den See kachelte, wäre das für eine kontrollierte Wasserlandung zu gefährlich gewesen. Also flog ich noch ein paar Klapper und da schau her,

es ging auch ohne Spiralen.

Zusammenfassend muss ich sagen, es war eine großartige Woche, die sich nach Vollgas angefühlt hat. Auch wenn ich mich bereits zum nächsten Sicherheitstraining nächstes Jahr angemeldet habe, bin ich froh, dass es jetzt etwas ruhiger wird. Das Beste ist aber, Tessa möchte wieder mitkommen. Denn neben dem Zuschauen gibt es hier super viel zu tun, auch für Menschen, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.

Also, schaut mal wieder vorbei, falls es Euch gefällt,

Euer Ralph

 

 

 

 

 

 

2 thoughts on “11.09. – 16.09.16 – Sicherheitstraining Annecy

  1. Boa, ist das aufregend. Ich hätte mit Sicherheit ne Windel gebraucht. Nett, auf diese Weise von dir/euch zu hören!

    Liebe Grüße, Heide und Hartmut

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