31.08. – 02.09.16 – Eine emotionale Flugwoche

Mittwoch gings dann, bei strahlenden Sonnenschein, zum Startplatz „Kircherl“ am Wallberg in Rottach Egern. Da der Wind mir nicht gefiel, wanderte ich weiter zum höher gelegenen Startplatz „Alm“. Dieser war eine Premiere für mich. Unterwegs treffe ich Christian, der das zweite mal am Wallberg überhaupt geflogen ist. Sonst waren nur Wanderer, aber keine Flieger da. Christian sagte: „Ich schaue Dir erst mal zu“. Super, das hilft mir, dachte ich. Der Starplatz ist etwas tykisch. Es gibt dort oft Turbulenzen und man muss über einen Wanderweg am Ende des Platzes starten. Da sind schon einige eingebomt. Ich ziehe den Schirm auf, laufe los und der Wimd lässt promt nach. Der Schirm sackt durch, was ich durch tiefes Einatmen versuche zu abzufangen. „Vieleicht zieht mich der Unterdruck ja hoch“,dachte ich. ( hat aber glaube ich noch nie geklappt). Aber dann fliege ich, und zwar ohne „touchdown“ auf dem Weg. Es wurde nur ein Abgleiter, da die Thermik wonderst war als ich. Also geht’s gleich wieder hoch. Diesmal passt’s für den Startplatz „Kircherl“. Ich ziehe den Schirm hoch und sehe beim Kontrollblick über mir eine Verhänger, eine Seite des Schirms hat sich in den Leine verheddert. Also ziehe ich den Schirm einseitig runter und breche den Start ab. Auf dem Startplatz gibt es genau einen Felsbrocken, den ich mir zielgenau in den Oberschenkel ramme. Ein anderer Paragleiter-Pilot kommt mir zu Hilfe um meinen Schirm wieder zu entwirren und auszulegen, ohne das ich das Gurtzeug verlassen muss. Dadurch das ich so schnell wieder Startbereit bin verdeckt der Schock den Schmerz. Laufen geht ja, also ist alles nicht so schlimm. Ich starte erneut und fliege raus. Und nun kommt der Glücksfall. Mein Bein tut weh, aber ein 35 Minuten Flug reicht, um erstens den Schmerz etwas wegzudenken und sogar den Flug noch etwas zu genießen. So konnte ich super landen und bin dann in meine Schnecke gehumpelt. Es war erst 14:30 Uhr, wieder ein Glücksfall. Also rauf aufs Rad und runter in die Apotheke gerollert. Die Apotöse meinte, ein Arzt wäre nicht schlecht. Ich entschied mich für Heparin, da ich keine Tandemlizenz habe, also den Arzt nicht mitnehmen darf. Die erste Dosis gabs direkt vor der Apotheke und so war ich um 16:30 Uhr noch rechtzeitig für die letzte Bahn an der Schnecke. Um 17:30 Uhr war es nach einem netten Start und einem geilen Panorama und schöne Landung.

Ich wandere wieder zur Schnecke und bekomme ein besonderes Taxi.

„ Mogs di hinde druff hucke? „ sprichts zu mir.

Klar, denke ich, was ein „super Platz“ auf Erden, schiests mir in den Kopf.

 

Donnerstag war dann schwieriger. Morgens Regen, aber dann kam die Sonne raus und ich fahre hoch. Der Wind ist so „naja“. Also denke ich mir, gehst halt nochmal zur „Alm“. Das ist der einzig mögliche Startplatz bei den Verhältnissen, gestern gings ja auch. Gerade angekommen, kommt der Hubschrauber Christoph 1 und landet direkt am Startplatz. Solange der Hubschrauber am Berg ist gilt Startverbot für alle anderen. Die Bergwacht ist auch gerade angerückt und ich erfahre, das ein 76 Jähriger Bergsteiger am Gipfel abgestürzt ist. Es sieht schlecht für ihn aus. Und dann kommt eine Frau hochgewandert und sagt der Bergwacht, das sie ihren Mann und die Enkelin vermisst. Sie beschreibt ihn und wird gebeten, erst mal auf der Bank am Startplatz etwas zu warten. Ich versuche mich nützlich zu machen und kümmere mich um die Frau. Der Notarzt ist am Gipfel, die restliche Besatzung versucht ein Bett für den Patienten zu bekommen und der Bergwachtler am Startplatz versucht das Wetter ( es zieht Nebel auf ) und die Bergung zu koordinieren. Ein grosses Problem, nachdem klar war das es ihr Mann ist, war für die Frau, das er den Autoschlüssel bei sich hat und wie sie mit dem Auto nach München kommt. Ich biete ihr an, sie zum Auto zu bringen, falls es mit der Bergwacht nicht klappt. Da schaut sie mich mit großen Augen an und sagt: „Soll ich mich da mit dran hängen? Ich weis ja nicht.“ Da haben alle gelacht, sie meinte es jedoch ernst. Ich sagte ihr, dass ich auch gerne Seilbahn fahre. Da war sie ziehmlich erleichtert. Nach 1,5 Stunden hat der Hubschrauber den Verletzen am Seil aus dem Berg geholt und nach München geflogen, es seie laut Bergwacht doch nicht so schlimm wie am Anfang befürchtet. Die Bergwacht hat die Frau und Enkelin ins Tal gefahren und so konnte ich zum Startplatz „Kircherl“ wandern.  Der Wind war jetzt einigermaßen OK dafür. Tja und nun kommt mein Kopf zum Tragen. Ich lege den Schirm aus, bin bis auf Zuschauer wieder alleine. Der Wind ist etwas schwach und auch die Windrichtung gefällt mir nicht, also warte ich voll angegurtet. Die Zuschauern räseln lautstark, warum ich nicht starte. Ich konzentriere mich auf den Wind und mich nicht stressen zu lassen. Nun kommen weitere Paraglider. Ich konzentriere mich auf Ruhe, was echt schwer fällt. Und dann löst sich endlich eine Thermikblase und bringt eine Ablösung und ich starte. Als ich in der Luft bin habe ich das Gefühl um einiges leichter geworden zu sein, denn der Klos im Hals hat einiges gewogen. Nach 35 Minuten lande ich sicher und beende den Tag recht früh.

Freitag stehe ich früh auf, mache Schnecke Reisefertig und fahre um 9 Uhr mit der Bahn hoch. In der Gondel treffe ich Karsten, der mich überredet, mit von der Alm zu starten. Er will auch den Dummi machen ( also als erster starten und die Thermik suchen ). Er startet souverän, was ich von zwei Startabbrüchen, einer wegen Verhänger und einer wegen starker Turbulenzen, nicht wirklich von mir behaupten kann. Und Thermik „is auch alle“. Egal, dann wird der zweite Flug halt besser. Und so war es. Es sind bereits einige Schirme in der Luft und nach einem kurzen schönen Start finde ich den Fahrtsuhl nach oben. Ich fliege ca. 50 Meter über dem Gipfel und der Blick reicht bis nach Italien, Wahnsinn. Es ist echt voll in der Luft und hin und wieder wackelt es auch, aber es war grandios. Da ich noch zu Tessa nach München fahren möchte und Schnecke noch „leer“ gemacht werden muss, beschließe ich nach 80 Minuten zu landen. Ich bin echt platt, aber super euphorisch. Tja, und die Aussicht auf meine Traumfrau und morgen auf eine Biergartenradltour rundet das ganze ab.

Jetzt rückt das Sicherheitstraining näher, über das ich hier auch berichten werde. Also, schaut mal wieder vorbei,

Euer Ralph

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